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Handwerksgesellenwanderschaft Walz

Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Die Handwerksgesellenwanderschaft, auch „Walz“ genannt, ist die überwiegend im Baugewerbe verbreitete Tradition, sich als „Junggeselle“ oder „Junggesellin“ nach erfolgreichem Abschluss der Lehre auf mehrjährige Wanderschaft zu begeben. Die Walz ist die einzigartige Gelegenheit, sich als junger Handwerker im Rahmen einer jahrhundertealten Tradition sowohl beruflich als auch persönlich weiterzuentwickeln.

Die Tradition der Walz und die damit verbundenen Bräuche gehen zum Teil bis auf das Hochmittelalter zurück, als die zunehmende Spezialisierung und Differenzierung vieler Gewerbe einen europaweiten Austausch handwerklichen Know-hows notwendig machten. Insbesondere bei Handwerkern des Bauhaupt- und -nebengewerbes hat sich die Tradition der Wanderschaft seit Jahrhunderten nahezu nahtlos erhalten. In jüngerer Zeit stößt die Tradition der Walz auch bei anderen Handwerksberufen wieder auf Resonanz. In der Regel dürfen die Gesellen das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen ledig und schuldenfrei sein. Die Nationalität ist nicht von Belang, Gesellen müssen jedoch Deutsch sprechen.
 
Mit dem aufkommenden Vereinswesen im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden nach und nach Gesellenvereinigungen gegründet. So entstanden zwischen 1890/91 und 1910 fünf „Schächte“ (Gesellenvereinigungen), die in ihrer Form bis heute fortbestehen. In den 1970er und 80er Jahren gründeten sich zwei weitere Schächte, die im Unterschied zu den fünf anderen auch Frauen in ihre Reihen aufnehmen. Zum Ende des 20. Jahrhunderts ist zudem die Zahl der freireisenden Gesellen gestiegen, die sich unorganisiert auf Wanderschaft begeben.